Aufbau Elektrotraktor

Ein wendiger kleiner, alter Weinbauknickschlepper hatten wir bereits, allerdings eignet der sich nicht für die Reihenkulturen und das Risiko unerwarteter Ausfälle ist bei seinem Alter und Unterhalt beträchtlich. Was tun? Ende 2018 habe ich mich entschieden einen robusteren Oldtimer-Traktor auf elektrischen Betrieb umzurüsten. Die Vorraussetzungen für ein solches Projekt schienen mir gut, hatten wir eine gut ausgerüstete Werkstatt und eine sehr kleine Landwirtschaft, für welche ein neuer Standarttraktor kaum gerechtfertigt wäre.

Von wem konnten wir es erwarten, alternative Wege in der Landwirtschaft zu suchen, wenn nicht von uns. Wir hatten noch ein zusätzliches Einkommen, eine gute Ausbildung und ein gutes Netzwerk.

Umbaukits für elektrischen Antrieb von Personenwagen gab es bereits seit einigen Jahren insbesondere in Deutschland. Erfahrungen damit kann man in Foren und auf YouTube einsehen. Allerdings hatte ich kaum Infos zu brauchbaren Elektrotraktoren gefunden.

Traktoren unterscheiden sich von PKWs insbesondere dadurch, dass sie auf Vollgasbetrieb ausgelegt werden. Das spricht nicht gegen Elektromotoren, aber Batterien sind dafür eher ungeeignet oder müssen entsprechend gross dimensioniert werden. Das ist bei Traktoren schwierig, da der verfügbare Platz gering ist und das Gesamtgewicht nicht auf Kosten der Nutzlast beansprucht werden sollte. Und auch finanziell ist das nicht optimal.

Dementsprechend werden auch in Zukunft kaum Standartschlepper mit elektrischem Antrieb auf den Markt kommen. Die Vorteile dieses Antriebs wird sich eher bei spezialisierten Fahrzeugen durchsetzen, bei welchen ein leiser, emmissionsfreier Betrieb wichtiger ist, als eine lange abrufbare Maximalleistung.

Genau diese Situation haben wir als Kleinbetrieb beim Säen, beim Setzen, bei kleinen Transporten, beim Hacken, bei der manuellen Ernte, beim Holzspalten, also bei mindestens 80% unserer täglichen Arbeit. „Schwere“ Transporte haben wir wenige, es bleibt also in erster Linie die Bodenbearbeitung. Diese könnte eventuell zum Problem werden.

Aber auch dort wollten wir schon vor diesem Projekt einen schonenden Weg mit geringem Kraftaufwand einschlagen, welchen wir mit dem Häufelpflug bereits gefunden hatten. Als Idealvorstellung müsste unsere Bodenbearbeitung auch von zwei Pferden/Ochsen gemacht werden können. So sollte das System ausgelegt sein. Zapfwellenbetriebene Bodenbearbeitung kommt höchstens als kleinflächige Ausnahme in Betracht.

Als grosse Herausforderung stellten sich die Abklärungen heraus, ob das Fahrzeug zum Strassenverkehr zugelassen werden könnte. Wir gingen bereits von einem bestimmten Modell einesTraktors aus, welches vorn einen Tragrahmen analog einem Chassis hat, während die meisten älteren Traktoren den Motor als tragendes Bauteil für die Vorderachse nutzten. Womit ich verhindern wollte, dass ein Umbau tief in die Fahrzeugstruktur eingegriffen hätte und somit mit meinen Mitteln kaum Chancen zur Zulassung hätte.

Zufälligerweise baute Bucher-Guyer in den 1960er Jahren wenige Kilometer von hier genau solche Traktoren. Klein, leicht, robust, grosse Bodenfreiheit, sehr enger Wenderadius und eben dieser vordere Tragrahmen zur Vorderachse. Mit 40 PS für heutige Verhältnisse lächerlich untermotorisiert, aber für einen Elektroumbau genau realistisch. Und das wollten wir doch auch: zurück zu kleinflächigen, vielfältigen Landwirtschaft vor der grünen Revolution, mit geringem Krafteinsatz.

Originalprospekt

Trotz dem Vorhaben nur den Motor zu tauschen, wie es bei Traktoren mit Dieselaggregaten relativ häufig gemacht wird, wurde ich vom Strassenverkehrsamt Zürich auf zusätzliche Prüfungen hingewiesen: Die Einhaltung der Niederspannungsverordnung und die Elektromagnetische Verträglichkeit müssten geprüft werden.

Zuviel Zeit habe ich darauf verwendet, die nicht ganz stringenten Aussagen der Experten zu prüfen und hinterfragen, schliesslich musste ich die Elektromagnetische Prüfung doch machen (wie das Bild ganz oben zeigt). Die Einhaltung der Niederspannungsverordnung ist aufgeschoben und müsste nachgeholt werden, sollte der Traktor verkauft und von jemand anderem eingelöst werden. Diese Regelung wurde meines Wissens nun 2020 auch verschärft.

Die Zeit war mittlerweile viel weiter fortgeschritten als geplant, was doch zu einigen Stresssituationen im Familienleben geführt hat…doch das war noch lange nicht alles, was ich unterschätzt hatte. Die Einbindung der bestehenden Hydraulikpumpe in den Antriebsstrang erwies sich als sehr knifflig unter den gegebenen Platzverhältnissen. Ebenso wie das Unterbringen der Batterien, schliesslich hatte ich keinen Millimeter vorigen Raum. Und die Elektronik ist halt auch nicht ganz ohne. Da hilft nur messen, messen, messen.

Nun hier die ersehnte Gallerie zum Umbau.

Thomas dreht den Getriebeflansch und macht Lametta für Weihnachten.

Schliesslich hat nach einem Jahr dann doch alles geklappt. Ganz grossen Dank an Thomas Volkart, der sich im CAD und an der Dreh- und Fräsmaschine seine Lorbeeren verdient hat.